Seminar für Führungskräfte beim RCFS in Schweinfurt
Der Schweinfurter Ruder-Club bot im September zum ersten Mal ein Seminar für Führungskräfte der mittleren Führungsebene im Ruder-Club an. Bei der Premiere nahmen drei Teilnehmer zwischen 35 und 45 Jahren der VR-Bank Main-Rhön teil.
Das Konzept
Interessierten Unternehmen wird eine Fortbildung angeboten auf dem Wasser und darüber hinaus, ein Training, das über die Verbindung von Körper und Geist dafür sorgt, neue Wege zu gehen. Das Konzept sieht vier Vormittage á fünf Stunden vor mit je zwei Einheiten im Boot und einer Seminareinheit dazwischen.
Ziel des Konzeptes ist es,
- Personalkompetenzen wahrzunehmen und einzuordnen,
- Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung gegenüberzustellen,
- Führungskompetenzen zu fördern,
- durch Selbsterfahrung die Perspektive der Führungskraft und des Mitarbeitenden zu schärfen,
- Sprache klar und sorgsam einzusetzen,
- sich selbst einem gegebenen Umfeld zuzuordnen,
- Mitarbeitende als Persönlichkeit in Prozesse einzubinden,
- Rudern zu lernen und
- die Gesundheit und die eigene Stabilität zu fördern.

Tag 1:
Das Team lernt sich am Montagmorgen bei stabilem Herbstwetter auf dem Platz des Schweinfurter Ruder-Club persönlich kennen, nach einer Videokonferenz im Vorfeld.
Auf dem Platz liegen „Nix wie weg“ in den Böcken und ein Schulungseiner dazu Sculls. Die Fortbildung startet im Seminarraum mit einer Präsentation zur Einführung, auch mit den Zielsetzungen. Dann geht es auf den Bootsplatz. Der Vorstand hat zeitgleich Vorstandssitzung und begrüßt die Teilnehmer zum Seminar, was sichtlich gut ankommt. Erste Einheit auf dem Wasser, Verinnerlichung der Begriffe am Boot, Beschreibung der Ruderbewegung und erste Reflexion ins Lernheft im Seminarraum.
Die zweite Rudereinheit mit zwei Einern, gegenseitiger Unterstützung und schon selbstständigem Tragen der Boote findet bei herbstlichen Temperaturen und glattem Wasser statt.

Tag 2
Leichter Regen bei 14 Grad begleitet die erste Einheit. Die Teilnehmer trotzen dem Wetter und alle schlagen das Angebot der Leinenunterstützung aus. Das Wasser ist wunderbar glatt und es ist eine mystische Stimmung mit den drei Booten auf Wasser. Bei dieser Einheit wird nicht ganz klar, wer mehr schwitzt, die Teilnehmer oder der Trainer, gut, dass alle drei Boote wieder sicher anlanden. Gefahr bestand zu keiner Zeit. Das Wasser unter den Ruderern ist hier nurmehr 1,20 m tief, also Stehrevier.
Im Seminarraum dann Reflexion, Einträge ins Lernheft und dann die Aufgabe, Bewegungsänderungen im Boot und deren Folge auf den beruflichen Alltag zu übertragen. Die Teilnehmer machen das fantastisch, lassen sich auf die Gedankengänge ein, öffnen sich und sind sensibel im Miteinander.
Die vierte Einheit auf Wasser wird im Gig Boot, also im Vierer sein. Von außen kommt einen Ruderer dazu, der auf Schlag sitzt, der Trainer steuert und möchte zu diesem Zeitpunkt das Steuer auch nicht aus der Hand geben. Das Boot läuft, die Sonne scheint. Was für ein Feeling. Bei der Abschlussbesprechung sagt ein Teilnehmer: „Jetzt wird die Sache langsam rund.“

Tag 3:
Auch heute meint es das Wetter gut mit den Akteuren. Am darauffolgenden Donnerstag wird das Wetter umschlagen und den ganzen Tag unwirtliches Wetter mit sich bringen. Was für ein Geschenk für diese Tage.
Nach einem ungesteuerten Doppelvierer am Morgen mit dem Trainer auf Schlag und als Obmann geht es in die letzte Seminareinheit. Die Teilnehmer schätzen ihre Position und ihre Akzeptanz im Boot selbst ein und schreiben das in ihr Heft. Dann erfolgt eine Fremdeinschätzung der Teilnehmer und des Trainers untereinander. Beide Einschätzungen decken sich ziemlich genau.
Abschließend besetzen die Teilnehmer die letzte Ausfahrt im ungesteuerten Doppelvierer und begründen ihren Vorschlag, alles auf einem A4 Blatt. Die Vorgabe fordert nicht allein, dass das Boot optimal läuft, sondern auch die Überlegung, wer füllt welche Position optimal aus. Die geplanten Besetzungen werden vorgestellt und anschließend einigen sich die Teilnehmer auf eine Besetzung, hier einstimmig.

Dann kommt die Frage der Teilnehmer: „Gehst du überhaupt so mit uns raus.“ Antwort: „Ich gehe in jeder Besetzung mit euch raus.“ Des Trainers Aufgabe ist es, das Boot und die Mannschaft wieder an den Steg zu bringen und das geht von jeder Position, so gut beherrschen die drei mittlerweile die Rudertechnik.
Spannend allerdings ist wirklich die Besetzung. Der jüngste sitzt auf eins, der nächst Ältere auf Schlag und ist auch Obmann. Auf Position zwei sitzt der ChefChef und der Trainer auf Position drei. Der Wind hat aufgefrischt, es kommt etwas Welle dazu. Die Mannschaft rudert einen Kilometer mainaufwärts und wieder zurück. Gut gesetzt, kann der Trainer von der drei aus dem Schlagmann noch etwas Hilfestellung einflüstern. Ein bisschen ein Ritt ist es schon, das Boot legt sicher wieder an.
Auf dem Bootsplatz werden die Eindrücke besprochen, Willi Pulvermüller kommt dazu. Die Teilnehmer fühlen sich bestätigt in der Besetzung, der Trainer darf zwei Verbesserungstipps geben und loben, loben, loben. Wow, was für ein Ergebnis im Boot und in den Köpfen.

Rückmeldungen
Die Rückmeldungen in der kommenden halben Stunde sind überzeugend.
Tobias:
„Insbesondere nehme ich mit, nicht den Mut zu verlieren und bei Situationen, die „aus dem Ruder“ laufen, auch mal einen Moment innezuhalten, bzw. Ruhe zu bewahren.
Insgesamt bin ich der Auffassung, dass das Seminar auch uns als Führungsteam weiter zusammengebracht hat und wir alle ein oder mehr Erfolgserlebnisse hatten.
Es hat sehr viel Spaß gemacht und ich kann das Seminar nur weiterempfehlen.“
Frank:
„Die Zeit für das Seminar war sehr gut investiert. Ich konnte einen Eindruck in eine mir völlig neue „Welt“ bekommen und im Rahmen der Beschäftigung mit dem Rudersport mehr über mich und meine Leistungsfähigkeit erfahren und manche Sichtweisen schärfen.
Einige Erfahrungen werde ich im beruflichen Alltag anwenden können. Der „Führungswerkzeugkasten“ ist um einige Impulse angewachsen.
Auch für uns als FührungsTEAM war es eine wertvolle Zeit (die wir so im Alltag zu selten haben), schließlich „sitzen wir im selben Boot“.
Die Maßnahme ereignet sich hervorragend, um Erfahrungen aus dem Rudersport auf den Führungsalltag zu transferieren.
Herzlichen Dank, lieber Jochen, für die tolle Möglichkeit.
Klare Weiterempfehlung!!!“
Seminarabschluss
Willi Pulvermüller ist bei der Rückmeldungsrunde dabei und verteilt im Anschluss die Teilnehmerzertifikate mit dem Glückwunsch, das Rudern und mehr gelernt zu haben. Er dankt Jochen Karrlein als Trainer. Moderator und Coach ausdrücklich.

(Text und Bilder: Jochen Karrlein)








